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Evaluation der digitalen Souveränität bei der Auswahl generativer RAG-KI-Systeme

Ein praxisnaher, kriterienbasierter Rahmen, um KI-Architekturentscheidungen souverän, rechtskonform und wirtschaftlich zu treffen — von Heiko Kopf und Daniel Kientopf, Hochschule Hamm-Lippstadt.

EXECUTIVE SUMMARY

Kontrolle über Daten, Technologie, Betrieb und Entscheidungen

Auch bei der Auswahl generativer KI-Systeme sollten Organisationen die Kontrolle über die eigenen Daten, Technologien, Betriebsmodelle und Entscheidungen so weit wie möglich behalten. Insbesondere für datensensible Organisationen ist dies oft Voraussetzung, um rechtliche Pflichten, Vertraulichkeitsanforderungen und eigene Qualitätsansprüche zu erfüllen. Durch die Vielzahl niederschwelliger KI-Zugänge tritt eine systematische Bewertung dieser Anforderungen häufig in den Hintergrund, da der Druck des zeitnahen Einsatzes immens ist.

Die Autoren empfehlen sechs Bewertungsdimensionen für eine strukturierte Erstbewertung. Anhand von drei Anwendungsszenarien entlang des Lösungsraums zwischen öffentlicher Cloud und vollständig lokalem Betrieb wird gezeigt, wie sich aus der Dimensionsausprägung eine begründete Architekturentscheidung ableiten lässt — insbesondere für den in der Praxis häufigsten Fall, dass die Anforderungen nicht eindeutig für einen der beiden Pole sprechen.

DER RAHMEN

Sechs Bewertungsdimensionen

Der Lösungsraum wird nicht als binäre Wahl zwischen „Cloud“ und „On-Premise“ verstanden, sondern als Spektrum — von öffentlichen Hyperscaler-Angeboten über souveräne, europäisch betriebene Cloud-Lösungen und verwaltete On-Premise-Systeme bis hin zum vollständig lokalen, air-gapped Betrieb.

Regulatorik

Nationale und branchenspezifische Anforderungen an Datenverarbeitung und -speicherung.

IP / Unternehmenswissen

Schutz von Geschäftsgeheimnissen, geistigem Eigentum und internem Know-how.

Cyber-Security

Angriffsfläche, Zugriffskontrolle und Risiken durch externe Anbieter oder Schnittstellen.

Ergebnisqualität

Verlässlichkeit, Nachvollziehbarkeit und Kontrolle über die erzeugten Antworten.

Kostenstruktur

Investitions- und Betriebskosten im Verhältnis zu Nutzen und Skalierung.

Faktor Mensch

Verfügbare IT-Kompetenz, Akzeptanz und organisatorische Realisierbarkeit.

DREI SZENARIEN

Vom Marketingteam bis zur hochsensiblen Anwendung

Drei Use-Cases entlang des Lösungsraums zeigen, wie sich aus dem individuellen Anforderungsprofil eine begründete Architekturentscheidung ableiten lässt.

Use-Case A

Ein Marketingteam erzeugt Kampagneninhalte aus öffentlichen Quellen und nicht-sensiblen Materialien — unkritisch, cloudaffin. Ein Pol des Spektrums.

Use-Case B

Eine hochsensible Anwendung mit durchgehend hohen Anforderungen über alle sechs Dimensionen — zwingend lokal zu betreiben. Der zweite Pol.

Use-Case C

Ein gemischtes Anforderungsprofil zwischen den Polen — der in der unternehmerischen Praxis wohl häufigste Fall, in dem sich keine eindeutige Entscheidung ableiten lässt.